Lernen im digitalen Wandel

#molol18: Diskussionsrunde zu Worst Practices

Auf der Oldenburger Tagung #molol18 durfte ich eine Diskussionsrunde anbieten, in der es mal nicht um die Best Practices oder One-Best-Things gehen sollte. Stattdessen hatte ich die Idee, Worst Practices und schlechten digitalen Unterricht in den Mittelpunkt zu stellen. Ein kurzer Impuls meinerseits und dann hatte ich bewusst viel offenen Raum gelassen, um möglichst viel Austausch unter den Teilnehmenden zu ermöglichen. Zunächst wurde zu zweit oder zu dritt diskutiert und dann abschließend in der großen Runde gesammelt. Dabei trafen schon länger digital Lehrende wie Philippe Wampfler, Dejan Mihajlovic, Thorsten Puderbach, Daniel Sawahn und Jan Weber auf solche, die eher erste Schritte bei der Digitalisierung machen. Was dabei heraus kam und was das mit Axel Krommers Keynote zu tun hat, möchte ich hier zusammenfassen.

Fehler

Mit einem ganz kurzen Impulsvortrag (hier die Slides) steckte ich zu Beginn der Session einen groben Rahmen ab. Ziel davon sollte es sein, zu einer neuen Fehlerkultur zu ermutigen. Fehler sind aber ein schwieriges Terrain, denn es braucht Reflexion, Selbstvertrauen und eine Haltung, um Fehler einzugestehen und um etwas aus Fehlern zu lernen. Eigentlich erwarten wir als Lehrpersonen von Schülerinnen und Schülern, dass sie ständig aus ihren Fehlern lernen. Doch der Rotstift gehört für viele Lernende genauso zum Schulalltag dazu wie die Sanktionierung von Fehlern mit schlechten Noten. Einen positiven und wertschätzenden Umgang mit Fehlern sucht man manchmal vergebens. Doch dabei sehe ich zum Beispiel an meinem zweijährigen Sohn, wie er ständig aus Fehlern oder Dingen, die er noch nicht kann, lernt und sich dabei – bei allem Frust – nicht entmutigen lässt. Fehler und Rückschläge gehören also immer zum Lernen dazu. Das führt mich zu der Frage, welche Haltung ich als Vater oder Lehrer dazu einnehmen möchte. Im Falle von digitalem Unterricht ist für mich entscheidend, dass ich positiv mit Fehlern im Alltag umgehe und diese reflektiere.

Kritik

Eng mit Fehlern hängt der Umgang mit Kritik zusammen. Andere wertschätzend auf deren Fehler hinzuweisen ist nämlich nicht weniger leicht als sich eigene Fehler einzugestehen. Schnell wird man zum Nörgler erklärt oder soll es erstmal selbst besser machen können. Dass man aber sehrwohl kritisieren darf, auch wenn man es nicht besser weiß bzw. kann, hat Axel Krommer in einem Lob der negativen Kritik herausgearbeitet. Kritik so zu kommunizieren, dass sie als hilfreich wahrgenommen wird, ist dabei immer eine Gratwanderung zwischen sachlicher und persönlicher Ebene, wie es z.B. Philippe Wampfler erläutert hat. Außerdem macht es einen Unterschied, ob ich der Kritisierten oder dem Kritisierten face-to-face gegenüber sitze oder ob ich mich in einem schriftlichen Chat am Smartphone befinde und die Reaktionen des Gegenübers nur bedingt nachvollziehen kann. Kurz gesagt: Kritik so zu formulieren, dass sie dem Gegenüber etwas bringt oder dass eine wertschätzende Diskussion entsteht, ist komplex.

Schlechte Konzeption

Einen dritten Rahmen bildet für  mich schließlich eine möglicherweise schlechte Konzeption von (digitalem) Unterricht. Dazu zählen Tendenzen der Toolifizierung und Quizzifizierung von Unterricht durch den Einsatz digitaler Tools wie Kahoot oder Quizlet. Axel Krommer hatte darauf in der Mobile-Schule-Keynote am Freitag hingewiesen. Er spricht von palliativer Didaktik, einer digitalen Ummantelung von alter, behavioristischer Didaktik. Auch Lisa Rosa weist immer wieder auf diese Gefahr hin.

Lisa Rosa auf Twitter

Auch die Haltung „Pädagogik vor Technik“ ist ebenfalls eine Falle. Der Satz meint vielleicht etwas Richtiges, aber er beruht auf einem Missverständnis. Das Gegenteil ist natürlich auch nicht richtig, doch zwischen Pädagogik und Technik gibt es sehr komplexe Interdependenzen, auf die Krommer in seiner Keynote hinwies. Für die Konzeption von digitalem Unterricht hat es weitreichende Konsequenzen, ob ich als Lehrperson meine pädagogischen Ziele der Technik überordne oder ob ich beides versuche zusammen zu denken. Ersteres führt oft zur meist unterschlagenen gesellschaftlichen Dimension des digitalen Wandels, die es z.B. Dejan Mihajlovic immer wieder betont. Zu meinen, digitale Medien seien nur ein weiteres Werkzeug bei der Konzeption von Unterricht, greift zu kurz. Eine gute Konzeption von digitalem Unterricht – man könnte auch sagen, eine entsprechende Grundhaltung seitens der Lehrperson – ist also entscheidend für guten digitalen Unterricht. Dabei sind meiner Meinung nach die Prüfungsformate immer wieder ein Dreh- und Angelpunkt, der bestimmte offene Konzeptionen von Unterricht erschwert oder gar nicht zulässt.

Eine neue Fehlerkultur

Diese Vorüberlegungen führen mich zu der Idee, anders mit Fehlern, mit Kritik oder mit schlechten Konzeptionen umzugehen. Erik Kessels hat beispielsweise das Buch „Failed it!“ geschrieben, mit dem er die Sichtweise auf Fehler wandeln möchte. Im Untertitel heißt es:

How to turn mistakes into ideas and other advice for successfully screwing up.

In eine ähnliche Richtung zielen die Fuckupnights, in denen Start-Up-Gründer von ihren gescheiterten Geschäftsmodellen und Gründungen berichten – das ganze in einem lustigen und entspannten Rahmen. Das brachte Florian Emrich auf die Idee, dass es so etwas auch für den Bildungsbereich geben sollte. Er schlug den Hashtag #EDUfuckupnights dafür vor. In Sinne einer solchen neuen Fehlerkultur möchte ich hier nun einige Schlaglichter aus der Diskussionsrunde ausführen.

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Aus Worst Practices lernen

Gleich zu Beginn der Diskussion brachte Jan Weber ein, dass es Worst Practice sei, Systeme auf den digitalen Endgeräten zu installieren, damit die Schülerinnen und Schüler nichts mehr machen könnten außer ganz ausgewählte Aktionen. Ein solcher Prüfungsmodus, wie er in Niedersachsen eingeführt werden soll, begrenze die Möglichkeiten der Geräte künstlich. Das hatte ich auch schon mal verbloggt. Im Sinne von Axel Krommer sind solche Maßnahmen Anzeichen für Versuche, krampfhaft den Paradigmenwechsel von der Gutenberg- in die Turing-Galaxis aufzuhalten. Die Abschlussprüfungen zu ändern sei demnach ein erstes Ziel, denn sie fragen bislang keine ‚digitalen Kompetenzen‘ ab sondern jene Kompetenzen der Gutenberg-Galaxis. Solange Prüfungen aber so blieben, meinte Krommer, finden derlei Kompetenzen auch wenig Beachtung im Schulalltag. Ein anderer Teilnehmer meinte, dass die vorgegebenen Ziele „blöd“ seien und zu sehr einschränkten, deshalb bräuchten wir neue Ziele.
Philippe Wampfler machte einen anderen Gedeanken auf. Er war der Meinung, dass Lernvideos oder auch Sketchnotes für den Ersteller oder die Erstellerin voller Bedeutung seien, aber wenn sie für ein großes Publikum massifiziert würden, verlören sie an Bedeutung und seien ein Beispiel für schlechten digitalen Unterricht. Er hat seine Gedanken dazu ausführlicher in einem eigenen Blog-Post beschrieben.

Philippe Wampfler
Philippe Wampflers Visualisierung

Dejan Mihajlovic fügte hinzu, dass bei Snapchat-Videos, wie er sie im Unterricht erstellen lässt, der Prozess das Entscheidende sei. Für guten (digitalen) Unterricht, so seine These, bedeute dies, dass der Lernprozess stärker in den Fokus gerückt werden müsse und weniger das Ergebnis oder ein Lernprodukt. Passend dazu war ein konkreter Vorschlag einer anderen Teilnehmerin, vermehrt das Expertenwissen von Schülerinnen und Schülern im Umgang mit digitalen Medien zu nutzen.
Als weitere Worst Practice wurde identifiziert, dass man nicht anfangen dürfe, alles Analoge digital zu machen, nur weil es möglich sei. Das deckt sich mit Christian Wettkes Tweet:

Christian Wettke auf Twitter

Schlecht sei es auch, wenn die Lernenden nur über unzureichende „Basiskompetenzen“ im Bereich digitaler Medien verfügten, so ein Teilnehmer. Das verhindere Lernmöglichkeiten und -erfolg. Dem müsse mit entsprechenden Maßnahmen und Kursen in den Schulen entgegengewirkt werden.

Ein „offener Krieg“ im Kollegium?

In der Diskussion wurde aber auch die Haltung vieler Lehrpersonen kritisiert, die sich vor dem Neuen sträubten. Die meisten Lehrpersonen seien „Gewohnheitstiere“, so eine Teilnehmerin. Deshalb liefen zum Beispiel auch einige iPad-Klassen schlecht. Eine große Rolle spiele dabei die Angst vor dem Kompetenzverlust seitens der Lehrerinnen und Lehrer. Aber auch das geringe persönliche Interesse an digitalen Medien sei dafür relevant. Auf der anderen Seite wurde aber auch deutlich, dass es viele Lehrende abstoßen finden, wenn sich Kolleginnen und Kollegen mir ihren digitalen Medien zu stark profilierten, wie es oft der Fall sei. Eine Teilnehemerin sprach hier von einem „offenen Krieg“, der das Kollegium in jene teile, die für den Einsatz digitaler Medien belohnt würden, und diejenigen, die sich dagegen sträubten.

Gerade dazu wurde von Philippe Wampfler ein Vorschlag genannt, wie sich das Schulsystem weiterentwickeln könnte. Er meinte, dass die Schule ein System sei, das Anreize setze. Daher müssten entsprechende Anreize für Lehrpersonen gesetzt werden, digital zu arbeiten, wenn man die Digitalisierung voran bringen wolle. Dem wurde wie bereits angedeutet entgegengehalten, dass die Belohnung weniger Kolleginnen und Kollegen nicht erstrebenswert sei, sondern alle ins Boot geholt werden müssten. Dabei stellte sich jedoch in der Diskussion die Frage: Wie schafft man das? Es sei wichtig, die Kolleginnen und Kollegen nicht zu überfordern. Der Einsatz digitaler Geräte z.B. als Schreibwerkzeug reiche erstmal, so ein Teilnehmer.

Technik und Abhängigkeiten

Viele Teilnehmenden kamen auch immer wieder auf die technischen Voraussetzungen für guten digitalen Unterricht zu sprechen. Einige meinten, dass iPads als System zu eingeschränkt seien. Was auf der einen Seite viele Vorteile mit sich bringe, das erzeuge andererseits Abhängigkeiten von Apple. Wer macht demnächst unsere Bildung? oder: Wer entscheidet, was rein kommt in den digitalen Unterricht? Diese wichtigen Fragen wurden kontrovers diskutiert. Eine Vertreterin eines Verlages brachte dazu ein, dass Schulbücher genehmigt seien. Hingegen mit Opensource zu arbeiten gebe keine Garantien. Dies führte immer wieder zu der Frage zurück, welches Betriebssystem eine Schule nutzen möchte. Mehrere Systeme zulasssen und Aufklären über die Abhängigkeiten war ein Vorschlag. Bei Bring your own Device (BYOD) wurde hingegen beklagt, dass niemand für die Geräte die Verantwortung und die Wartung übernehmen könne.

Für einen Teilnehmenden war klar: Es wird bei der Auswahl der Technik zu viel von oben herab entschieden, z.B. von Schulträgern. Im Zentrum müsse stattdessen die Frage stehen, was die Schule wolle. Insgesamt stehe der Schulträger in der Pflicht für die technischen Voraussetzungen zu sorgen (Maik Rieken dazu). Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass das Schulsystem auf der technischen Seite viel verschlafen habe. Heute in Schulen eingeführte Software für Schul-Plattformen wie IServ sei „uralt“ und würde heute z.B. in der freien Wirtschaft nie mehr verwendet werden, behauptete ein Informatiklehrer. Auch ein entsprechender Breitband-Ausbau wurde als überfällige Voraussetzung eingefordert, um digitalen Unterricht überhaupt gestalten zu können. Die Mittel dafür sind vorhanden, sie werden aber von den Kommunen nicht abgerufen.

Ich musste als Moderator der Diskussion diese technischen Ausführungen immer wieder begrenzen damit sie nicht zu viel Raum einnahmen. Aber sie zeigen auch, welchen Spagat die derzeitige Debatte macht, wenn immer noch an vielen Schulen die technischen Voraussetzungen fehlen.

Einigkeit

Ganz grundlegend sei eine lange Sicht notwendig zum Planen, darin waren sich die meisten einig. Die Schulen müssten eine Vision davon entwickeln. Den Schulleitungen komme dabei eine zentrale Rolle zu, weil sie die entsprechenden Freiräume schaffen und Fortbildungen zulassen müssten, um eine reflektierte Nutzung digitaler Medien im Kollegium zu etablieren. Dabei müsse das Ziel klar sein: Unseren Schülerinnen und Schülern einen guten Start ins Leben ermöglichen. Abschließend waren sich zudem alle dahingehend einig, dass auch der angemessene Einsatz digitaler Medien wichtig sei. Ausschließlich digitale Medien einzusetzen sei auch nicht gut.

Mein Fazit

Das sehr offene Diskussionsformat hat sich, so denke ich, grundsätzlich bewährt. Es bestand viel Bedarf zum Austausch. Von vornherein war mir klar, dass man aus solch einer 75-Minuten-Session kein abschließendes Fazit wird ziehen können. Um wirklich Fehler aufzuarbeiten und Lösungsansätze anzudenken, bräuchte man deutlich mehr Zeit und kleinere Arbeitsgruppen. Stattdessen hat die Diskussion viele Fragen aufgeworfen. Wenn ich zu einer neuen Fehlerkultur anregen konnte, wie Thorsten Puderbach schreibt, ist mein Ziel erreicht.

Allerdings wurde im anschließenden Gespräch mit Teilnehmenden betont, dass es womöglich zielführender wäre, wenn solche Diskussionsrunden zu Worst Practices von vornherein nach dem Kenntnisstand der Teilnehmenden unterteilt würden: Diejenigen, die gerade erst beginnen, digitale Medien im Unterricht einzusetzen, und jene, die schon länger mit ihnen arbeiten und eher über didaktische Probleme diskutieren wollen. Gleichwohl bin ich auch der Meinung, dass sich diese beiden Gruppierungen auch weiterhin im Austausch befinden sollten, weil ansonsten – wie es eine Teilnehmerin formulierte – die Schere immer breiter werden könnte.

3 Kommentare

  1. Ich habe diesen Artikel gelesen – und mich dabei auch am name dropping gestört. Der Verfasser geht grundsätzlich vom digitalen Lernen in der Schule aus. Das heisst, der mobile Computer, wohl ein iPad, findet in der Schule, im Unterricht statt.

    Ich habe vor 8 Jahren damit begonnen, von meinen SchülerInnen zu verlangen, ihre schriftlichen Arbeiten von Beginn weg jederzeit und überall bei mir zu haben. Und zwar solchermassen, dass ich mich einmischen, will heissen mittun konnte. Wie gesagt: jeder Zeit und an jedem Ort.

    In meinem Unterricht war das Handy der SchülerInnen nur und ausschliesslich Präsentationsmittel respektive Fernsteuerung während eines ihrer Referate.

    Ja, wir sind noch sehr sehr weit weg vom Lernen unter digitalen Bedingungen.

  2. sehr ausführlicher und differenziert dargestellter Artikel!

    Ich hab mir hierzu aber eine Frage gestellt, die nur teilweise aufgeklärt werden konnte:

    Was heißt den Lernen am worst-practice-Beispiel konkret?

    Man sucht sich schlechte Beispiel in der Schullandschaft und kritisiert diese dann? auf einer „Meta-Ebene“? Das käme für mich einer Diffamierung gleich …

    Ich finde es grundsätzlich ja super aus Fehlern zu lernen. Ich stelle mir aber konkret die Frage, was das für die Personen bedeutet, die eben das „schlechte Beispiel“ liefern.

    Heißt das, dass jemand der bereit ist eine Ideen online zu teilen (z.B. zur Erstellung von Quizzes) dann von Experten wegen Quizzifierung oder Toolifizierung im Internet kritisiert wird?
    Wer entscheidet, dass etwas gut oder schlecht ist?
    Wer bettet das Ganze in einen Kontext ein? (z.B. sind vorgegebene Strukturen im Bereich der Sonderpädagogik essentiell … in anderne Kontexten schränkt das die SuS evtl. sehr ein).
    War der Ansatz anonym gedacht?
    Wo würde sowas stattfinden und vor allem wie öffentlich? (Twitter? Bar-Camps? in persönlichen Gesprächen innerhalb eines kleinen Personenkreises?)

    Ich bin der Meinung, dass das auch ein Schuß in den Ofen sein könnte, wenn motivierte, aber ggfs. noch unerfahrende Kollegen hier direkt die Lust verlieren, sich weiter an einem gemeinsamen Diskurs im Internet zu beteiligen…

    Erlebe das auf Twitter gefühlt sehr häufig, dass die Leute, die praktische Inputs liefern kontextfrei von oben herab verurteilt werden …

    Mein persönliches Fazit:
    Idee ist gut, aber auf die Umsetzung käme es an!
    Hätte diese Vorgehgensweise denn einen „Mehrwert“ (ich entschuldige mich direkt für das Wort) gegenüber den Best-Practice-Beispielen?

  3. Danke für für deine vielen Fragen. Damit regst du an, präziser nachzudenken. Mir geht es nicht darum, Menschen, Beispiele oder Schulen zu diffamieren. Ich hoffe, dass das deutlich wurde. In erster Linie sehe ich meinen Vorschlag erstmal dahingehend, die eigenen Fehler und Worst Practices zu erkennen und zu reflektieren. Allerdings finde ich eben auch, dass man andere auf Fehler und Worst Practices hinweisen sollte und kritische Aspekte benennen darf. Dabei werde ich immer versuchen, Kritik wertschätzend zu formulieren. Da kann ich nur für mich sprechen. Dass du auf Twitter teilweise andere Beobachtungen machst, finde ich schade.

    Wenn es ums Lernen geht kommt allerdings erschwerend hinzu, dass man fast nie generell sagen kann, dass etwas in allen Unterrichtssituationen schlecht oder gut ist. Ich denke, das meinst du, wenn du aus der Sonderpädagogik kommend wohl einen ganz besonderen Blickwinkel hast auf den Einsatz digitaler Medien: Viele vorgegebene Strukturen vs. viel Offenheit. Diese Kontext-Frage beschäftigt mich tatsächlich in letzter Zeit sehr: Welcher Grad an Offenheit oder Struktur passt zu welchen Lernenden?

    Zu deinen Fragen:
    Heißt das, dass jemand der bereit ist eine Ideen online zu teilen (z.B. zur Erstellung von Quizzes) dann von Experten wegen Quizzifierung oder Toolifizierung im Internet kritisiert wird? Ich hoffe, dass jemand, der eine Idee online teilt auch auf kritisches Feedback hofft um sich weiter zu entwickeln. Ich finde daher schon, dass man diese Tendenz zur Quizzifizierung von Unterricht (und übrigens auch der Medien mit ihren Quiz-Shows) diskutieren kann und was für ein Wissensverständnis dadurch vermittelt wird. Das heißt nicht, dass Quizze überhaupt nichts im Unterricht zu suchen haben und per se schlecht sind. Sie sollten aber – wie alles – gut begründet eingesetzt werden. Ob sie eine gute Grundstruktur fürs Lernen liefern, bezweifle ich.

    Wer entscheidet, dass etwas gut oder schlecht ist? Gut oder schlecht, müssen alle für sich selbst definieren. Im Idealfall überzeugen bessere Argumente und es kommt zu einem Austausch auf Augenhöhe. In der molol18-Runde war man sich bei einigen Worst Practices einig, was aber natürlich nicht heißt, dass das alle so sehen.

    War der Ansatz anonym gedacht? Ich bin da bei Philippe Wampfler, dass man Kritik nicht anonym durchführen sollte, wenn es denn um ein konkretes Beispiel geht. Gleichzeitig kann es aber auch sinnvoll sein, auf einer eher abstrakteren Ebene schlechte Praktiken zu überdenken ohne einzelne Beispiele einzelner AutorInnen zu nennen. Dann geht es eben eher um allgemeine Tendenzen, so wie es in meiner Diskussionsrunde abgelaufen ist. Das müssen aber alle Kritiker für sich selbst entscheiden.

    Wo würde so etwas stattfinden? Das entscheiden alle selbst, in welchen Arenen sie das als konstruktiv und gewinnbringend für sich empfinden – Twitter, Blog, Lehrerzimmer, Tagung, Lehrergruppe…

    Hätte diese Vorgehensweise denn einen „Mehrwert“ gegenüber den Best-Practice-Beispielen? Best-Practice-Beispiele sind toll und können im besten Fall inspirieren. Das sollte aber nicht dazu führen, alle digitalen Unterrichtspraktiken generell als ‚gut‘ durchzuwinken. Mein Vorschlag ist eben den Blickwinkel zu ändern hin zu einem anderen Umgang mit Fehlern und auch die kritische Sicht zu schärfen. Also beides 🙂 Abschreckend soll es nicht sein, kritiklos aber auch nicht.

    Was sagst du zu meinen Antworten?

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